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An alle Kritiker


In vielen öffentlichen Diskussionen wurden und werden immer wieder bestimmte Argumente ins Feld geführt, zu denen wir wie folgt Stellung nehmen wollen.

"Wer es ruhig haben möchte, der darf nicht in der Innenstadt wohnen. Wer die Vorzüge des Wohnens in der Innenstadt in Anspruch nimmt, muss auch die Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen,"

 

Dieses Scheinargument unterstellt, dass Ruhestörung, Sachbeschädigung und vielleicht sogar Körperverletzung in Ordnung sind, dass dagegen nichts gemacht werden kann und dass man das einfach so zu akzeptieren hat. Welch ein armseliges Rechtsverständnis!   

 

Viele Innenstadtbewohner leben schon seit Jahrzehnten in der Innenstadt und mussten die Verschärfung der Lage erst nach und nach miterleben.

 

 

Viele Innenstadtbewohner haben dort Wohneigentum und können und wollen dies nicht aufgeben.

 

 

Viele Innenstadtbewohner haben einiges Geld für den Erhalt und die Verschönerung ihrer Immobilien- auch zum allgemeinen Nutzen- eingesetzt. Jetzt zu verlangen, dass man sich davon trennt, ist geradezu idiotisch.

 

 

Viele Innenstadtbewohner sind Senioren oder krank und nicht mehr in der Lage, die Wohnung zu wechseln.

 

 

Viele Innenstadtbewohner sind Familien mit mehreren Kindern und Migrationshintergrund.

 

 

Keiner von uns erwartet absolute Stille, wir sind realistisch genug zu sehen, dass das nicht eintreten wird. Aber wir erwarten, dass jeder vermeidbare Lärm unterbleibt, denn in der Innenstadt gelten die selben Regeln wie überall woanders auch. Sie ist kein rechtsfreier Raum, in dem sich jeder nach seinem Gusto austoben kann.

 

Wohl gemerkt: Es gibt sowohl ein juristisches wie auch ein moralisches Recht auf Ruhe, körperliche Unversehrtheit und Schutz des Eigentums- und das gilt auch für Innenstadtbewohner!

 

"Jeder war doch einmal jung... "

Selbstverständlich kann jeder seine Jugend so ausgestalten, wie er / sie das für richtig hält- solange das nicht auf Kosten anderer geht. Außerdem heißt "jung sein" nicht, dass man für alle "Schandtaten" einen Freibrief hat.
Und nochmal zur Klarstellung: Unsere Kritik richtet sich nicht pauschal gegen eine altersmäßige Personengruppe (also nicht: "die Jugendlichen"), sondern gegen alle, für die Rücksichtnahme ein Fremdwort ist, und davon soll es ja auch unter Erwachsenen einige geben.

"Aber Balingen soll doch eine lebendige Stadt sein."

Unter Lebendigkeit verstehen wir nicht nächtliche Umtriebe, wie Flaschen zerschmeißen, Grölwettbewerbe, Wildpinkeln und Kotzen, Sachbeschädigungen usw. Eine lebendige Stadt sollte sich vielmehr durch  ein vielseitiges kulturelles, sportliches und gastronomisches Angebot auszeichnen. Und öffentliche Festivitäten  sollten  sich an dem neuen Eckpunktepapier (Projekt Festkultur) orientieren.
Niemand muss befürchten, dass ein rücksichtsvolleres und ruhigeres Balingen zur Geisterstadt oder zum Kurbetrieb wird. Vielmehr steckt darin eine Chance, eine neue Form der Stadtkultur zu entwickeln, um die uns vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft viele beneiden werden, deren Städte schon in Lärm, Müll und Angst versunken sind.

"Die Innenstadtbewohner müssten viel mehr Toleranz und Verständnis aufbringen."

Eine totale Verkennung der Situation. Die jetzige Lage entstand schließlich nicht schlagartig. Die Innenstadtbewohner sind in punkto Verständnis und Toleranz bereits lange in Vorleistung getreten und ertragen schicksalsergeben schon seit einigen Jahren eine zunehmende Verschärfung der Zustände. Doch es ist höchste Zeit, das Gleichgewicht der Interessen, auch im Interesse der Stadt Balingen, wieder herzustellen. Es ist leider so, dass die Mehrzahl der Innenstadtbesucher sich bereits so sehr an die vermeintliche Narrenfreiheit hier gewöhnt hat, dass unsere Zielsetzung dann auf Ablehnung stößt. Die Erfahrung zeigt aber , dass einseitiges Entgegenkommen und Verständnis nur immer weiter ausgenutzt werden.

"Solche Probleme gibt es aber nicht nur hier, sondern in vielen Städten."

Schon richtig, aber kann das ein Grund sein, sich damit abzufinden? Wir meinen: Wem seine Heimatstadt am Herzen liegt, der hat das gute Recht und sogar die Pflicht, sich gegen eine schleichende "Verballermannisierung" zur Wehr zu setzen. Wenn andere Städte das versäumen, werden sie irgendwann die Probleme nicht mehr in den Griff bekommen.


Schwanenstraße 13, 72336 Balingen
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